Donnerstag, 20. März 2008

Eintrag für den 5.Januar 2007

Eintrag für den 5.Januar 2007

Nachdem wir fast den kompletten letzten Tag und die ganze Nacht verschlafen hatten gesellten wir uns gegen Mittag in den dunklen und stinkenden Schankraum. Der dicke, haarige Wirt erinnerte mit seiner Statur eher an einen kahlen Bären als ein einen Menschen. Seine Frau sah auch nicht viel besser aus. Ihr fettiges Haar und der Damenbart haben mit Ausnahme von ihrem Mann sicherlich alle anderen Freier in die Flucht getrieben. Diese beiden Perlen der Schöpfung mussten einfach zueinander finden. Erstaunlicherweise war die Tochter der beiden, die als Schankmaid arbeitet, recht ansehnlich. Ich würde darauf wetten, dass die beiden sie als Findelkind bei sich aufnahmen. Sie überragt meinen zwergischen Gefährten, der grade eine Vorliebe für größere Frauen entwickelte, um knapp fünf Zentimeter und schein der einzige Lichtblick in diesem Haus zu sein. Sie war ein tüchtiges junges Mädchen, das sicherlich von einem schöneren Ort träumen musste.

Ich hatte mich kaum an einen der wenigen Tische gesetzt und meine nach den Ereignissen der letzten Tage andauernd abschweifenden Gedanken sortiert, da hatte der Zwerg schon eine Reihe Bierkrüge vor sich stehen und tat der Dorfbevölkerung gleich. Er war kräftig am zechen. Die Götter mussten ihn wohl mit einer gigantischen Blase gesegnet haben. Kaum nachdem er die ersten vier Krüge mit wenigen Zügen geleert hatte bestellte er schon eine weitere Runde. Auch ich konnte nicht anders und stillte meinen Durst mit einem großen Bier. Dazu aßen wir etwas zähes Fleisch und genossen dabei die Tatsache, dass wir es nicht selbst erjagen mussten.

Am Tisch nebenan saßen einige der örtlichen Trunkenbolde zu welchen scheinbar auch der Bürgermeister von Häpschbach zählte. Sie unterhielten sich lautstark miteinander, doch es war mir aufgrund des Dialektes und der vom Alkohol gelockerten Zungen unmöglich ihrem Gespräch zu folgen. Daher gab ich den Versuch sie zu verstehen nach einer Weile entnervt auf. Eigentlich ging mir momentan alles auf die Nerven. Ich sollte in meiner Stube in der Magierschule sitzen und über meinen Unterlagen brüten. Wenn ich nur in der Weltgeschichte herumlaufen muss komme ich mit meinen Studien nie voran und der Meister regt sich dann nur wieder auf, dass ich zu wenig lernen würde. So langsam verstehe ich Himgis Einstellung und bestelle mir noch ein weiteres Bier. Doch durch Pessimismus kamen wir leider auch nicht weiter.

Um an Informationen zu kommen beschlossen wir uns ein wenig zu den Herren am Tisch nebenan zu setzen. Magan der Bürgermeister, er unterschied sich von den anderen nur durch seine schmucklose Amtskette, war über unseren spontanen Entschluss nicht sonderlich erfreut. Auch seine Kumpane taten ihr Bestes die Dauer unserer Gegenwart auf ein Minimum zu reduzieren. Scheinbar hielt der Pöbel nicht viel von Städtern oder Fremden im Allgemeinen. So erzählte man uns auch nur das Offensichtliche. Das Wetter war normal für diese Jahreszeit, das Dorf lag im Wald und andere Dörfer seien mindestens zwei Tagesreisen entfernt. Allerdings verweis man uns an Teslig, den alten Müller. Sie gingen wohl davon aus dieser wäre zu senil um uns etwas zu erzählen.

Auf dem Weg zur Mühle am Rande des Dorfes sahen wir probende Musiker und aufgestapelte Holzscheite für die Feuer. Manche der Häuser waren spärlich mit Laternen geschmückt. Letztendlich deutete alles darauf hin, dass die Feierlichkeiten immer erst gegen Abend begannen.

Die Mühle war genau so alt und klapperig wie ihr Besitzer. Sie wirkten wie Überbleibsel aus einer vergessenen Zeit. Teslig war jedoch ein netter alter Bursche der fortwährend seine Pfeife rauchte und von Zeit zu Zeit einige unverständlichen Dinge vor sich hin brabbelte. Er war schon etwas schwerhörig, schien sich aber dennoch gerne zu unterhalten. Wir erzählten ihm, dass wir Reisende aus dem fernen Bregen seien, die im Auftrag der Stadtbibliothek die Welt bereisten und Geschichten und Legenden sammelten. Man habe uns gesagt er könne uns viel über diese Gegend erzählen. So erfuhren wir, dass schon sein Vater und sein Großvater Müller in Häpschbach waren und er als Dorfältester die meisten der Einwohner hat aufwachsen sehen. Wenn es also jemanden gäbe der etwas zu erzählen hätte dann müsse wohl er es sein.

Das Dorf selbst war schon über 300 Jahre alt. Durch seine Mitte floss schon immer ein kleiner Bach. Die Häpsche. Zur Zeit der Gründung gab es noch Goblins in der Mine, die sich mit den Siedlern gelegentlich blutige Scharmützel lieferten. Allerdings, so erfuhren wir, handelte es sich in seiner Geschichte um eine andere Mine. Jene, die uns in das Dorf führte, kannte er gar nicht. Eine Tatsache die uns nicht weiter verwunderte, lag doch der Eingang an einer schwer zugänglichen Stelle am Hang verborgen. Um Häpschbach herum, so sagte er uns, könne man noch die Überreste des alten Steinwalls finden, der das Dorf zur damaligen Zeit schützte und ein gutes Stück außerhalb befände sich noch ein sehr alter Eichenhain. Die Frage ob hier schon abnorme oder mysteriöse Vorfälle gab, die er schon verneinen wollte, beantwortet er uns dann doch noch wie folgt: „In de’ Zeit als mein Vater uff die Welt gekomme’ is’ wurd’ einer von de’ Häpschbachern uffgeknüpft, weil er sich an ’em junge Mädel zu schaffe gemacht hat und am selbe Abend noch hat’s im ganze Dorf gebrannt. Das ist aber schon lang her. Außerdem kam vor einige’ Jahre die Köhlersfrau, die Nika, uff seltsame Weise ums Lebe’. Jemand hat ihr de’ Schlund uffgeschnitte und de’ Kadaver dann zum alte’ Eichenhain gebracht. So muss es gewesen sein, denn dort hat man kein Tropfe Blut gesehe’ und die Nika war blutleer. De’ Magan weis des aber sicher besser, der war ja schließlich dabei als man se’ gefunn’e hat. Damals hat’s dann auch wieder gebrannt.“


Irgendwie kam uns das bekannt vor. Feuer und aufgeschittene Kehlen, das wollten wir hören. Da Teslig jedoch nichts Weiteres wusste und wir vermuten, dass Magan sich weiter ausschweigen würde, beschlossen wir unser Glück beim Köhler zu versuchen. So berichteten wir Teslig, dass auch wir eine blutleere Leiche mit aufgeschnittener Kehle gefunden haben. Daher müssen wir unbedingt noch mit dem Wittwer reden. Der freundliche alte Müller beschrieb uns den Weg zu dessen Hütte die gut zwei Stunden außerhalb des Ortes im Wald verborgen lag. Dort lebte Berwaan alleine und zurückgezogen mit seiner Tochter.

Erst fanden wir nichts anderes als große, abgedeckte Holzscheite, wie sie zur Kohleherstellung gestapelt werden. Bald jedoch entdecken wir, dass einer von ihnen eine Tür hatte. Dies musste wohl die Hütte des Köhlers sein. Himgi klopfte an die Tür. Nach einiger Zeit hörten wir das Schleifen von etwas metallischem und die Tür öffnete sich. Berwaan war ein kräftig gebauter und bärtiger Hüne, der den ganzen Türrahmen ausfüllte. In seiner Hand hielt er eine riesige Axt. Ich mag mich täuschen aber ich glaube Himgi wurde beim Anblick der Axt neidisch. Ein solcher Schädelspalter bringt das zwergisches Blut nun mal in Wallung. Mein kurzbeiniger Freund ist eben eine Kämpfernatur.

Um möglichst Nahe bei der Wahrheit zu bleiben erzählten wir auf Berwaan dieselbe Geschichte wie schon Teslig. Wir waren angeblich noch immer die Reisenden aus Bregen die Geschichten für die Stadtbibliothek sammelten und die auf ihrem Weg nach Ehrengard eine seltsame Leiche gefunden haben, der man die Kehle aufgeschnitten hatte.

Es kostete uns, zwar einiges an Überzeugungskraft den Köhler zum reden zu bringen aber wir erfuhren so, dass seine Frau damals, vor sechs Jahren, zum Dorf unterwegs war um einige Rechnungen zu bezahlen. Dort wurde sie zum letzten Mal von Malan, dem unsympathischen Dorfoberhaupt, gesehen. Zwei Nachte später fand man ihre Leiche. Die Umstände von Nikas Tod ähnelten sehr denen von unserem Banditen. Auch der Schnitt an ihrem Hals wies eine Brandspur auf. Sogar der Boden um ihren Fundort war verbrannt. Einen Schuldigen fand man jedoch nie.

Auch dem mürrischen Berwaan war die Höhle, die wir vor zwei Tagen durchquerten, völlig unbekannt. Also verrieten ihm Himgi ihre Lage. Warum es aus über Dämonen und Höllenbrut schrie. Wir beteuerten, dass wir ihm gerne helfen würde den Mord an seiner Frau aufzuklären und alles tun würden um eventuelles Übel abzuwenden. Aber es war vergebens. Er überraschte uns noch mit der Frage ob wir Priester der Allumnikirche seien nachdem wir erwähnten vielleicht etwas gegen eventuelle Dämonen tun zu können. Danach warf er uns aus seiner Hütte.

Hier konnten wir nicht mehr viel tun. Wir hatten jedoch einige neue Ansatzpunkte die uns alles nach Ehrengard führten. In Anbetracht dessen machten wir uns auf den Weg. Immerhin hatten wir auch noch einen Auftrag zu erledigen und unser kleiner Ausflug hatte uns schon zwei Tage gekostet.

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