Sonntag, 27. Oktober 2013

Fieberschübe


Die Wahrscheinlichkeit das erste Jahr im Leben des Kindes ohne Fieber zu durchstehen geht gegen Null. Da der kleine Körper oft Schwierigkeiten hat die Temperatur zu regulieren ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass diese mal ansteigt. Außerdem fiebern Babies zu jedem Anlass – z. B. neue Zähnchen – gern ordentlich mit. Eltern wissen das.

Dann, nach acht Monaten das erste hohe Fieber: 21 Uhr, Kind schreit, 39,5 °C – Papa hat einen Puls jenseits der 180 und bekommt Schnappatmung.

Dies liegt vermutlich an der typisch männlichen Abneigung gegen Probleme, die sich nicht mit einer großen Keule oder subtilem Projektmanagement lösen lassen. Gott sei Dank bleibt wenigstens die Mama cool, holt ein kurzes Feedback in der örtlichen Kinderklinik ein, organisiert die richtigen Medikamente und versorgt das Kind mit Zäpfchen und Wadenwickeln. Anschließend beruhigt sie den Papa so gut es geht.

So ging das Fieber nach ca. einer Stunde wieder runter und das kleine Glühwürmchen konnte wieder ruhig schlafen. Der Papa nicht. Der wollte unbedingt am Bettchen Wache halten, denn dies ist nach Keule und Projektmanagement die Dritte evolutionäre Errungenschaft zu der der Mann im Stande ist. Wenn also Eins und Zwei nicht helfen, dann **muss** Drei eben funktionieren.

Gegen zwei Uhr war dann das Bäuchlein der kleinen Maus aufgebläht und hat gar fürchterlich gedrückt, so dass diese abwechselnd um ihr Leben schrie, rülpste und pupste.

Alarmzustand beim Papa. Der war, gepusht vom Adrenalin sofort da und macht das einzig Sinnvolle. Er holte die Mama, die dem Mäuschen mit SAB Simplex (ein Muss für alle Haushalte mit Baby) helfen konnte. Nach etwa einer halben Stunde hatte sich der Papa wieder beruhigt und das Kind schlief.

Allerdings schoss dann gegen vier das Fieber wieder hoch und Papas Herzfrequenz nahm eine ähnlich steile Kurve.

Das sind dann die Momente in denen Eltern die Abwägung treffen müssen ob sie mit dem Kind ins Krankenhaus gehen. Im Zweifelsfall macht es durchaus Sinn vorab einmal dort anzurufen und nachzufragen. Allerdings bekommt man dann oft nur gesagt, dass alles nicht so schlimm sein, dass man warten soll bis das Fieber über 40 °C steigt, dass man Wadenwickel mach soll, usw. Das ist ja auch alles richtig. Nur Sorgen mach man sich trotzdem. So leiden Kind und Eltern.

In Anbetracht der strapazierten Nerven erscheint ein Krankenhaus voller Experten verlockend. Doch diese liegen auf Grund der fortgeschrittenen Uhrzeit mit Sicherheit im eigenen Bett. Hinzu kommen Keime, Viren, die Ansteckungsgefahr und in unserem speziellen Fall noch die Zwillingsschwester der kranken Maus. Um die muss sich schließlich auch noch jemand kümmern.

Also erst mal bis zum Morgen durchhalten und dann geht Mama mit der Kleinen zum Kinderarzt.

Zwischen neun und zehn Uhr stellt der erst mal seine Diagnose. Papa stirbt zwischenzeitlich 1000 Tode vor Sorge um das Kind.

Ende Teil Eins

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